M.E.H.R. billiges Fleisch für alle

M.E.H.R. billiges Fleisch für alle

Die ersten wärmenden Sonnenstrahlen kommen raus, die Tage werden länger und der unverkennbare Geruch von „mein Nachbar hat zu viel Spiritusanzünder für den Grill benutzt“ liegt in der Luft. Der Sommer kommt und in den letzten Tagen sogar mit Schmackes.

Ich mag auch mal Essen vom Grill. So ein leckerer Maiskolben, welcher so töffte zwischen den Zähnen hängenbleibt beim Futtern, mit selbstgemachter Kräuterbutter, warmes Baguette, frisches Gemüse, viele Fungi oder früher auch mal ganz beliebt eine frische, grobe Bratwurstschnecke.

Holzfällersteaks und Co. war noch nie meins. Der Geschmack ist mir damals schon zu „fleischig“ gewesen und dann kamen auch noch die Probleme meines ziemlich rebellischen Magens dazu. Also blieb es damals halt bei einer Bratwurstschnecke oder mal eine Fackel mit Bauchfleisch, was aber beides schon nur mit einer hohen Risikobereitschaft und Mut zur Lücke machbar war.

So kam dann eins zum anderen. Mittlerweile esse ich seit fast zwei Jahren kein Fleisch mehr und muss gestehen vermissen tue ich es gar nicht.

Da ich nie ein großer Fleischesser war, stellte sich der Umschwung auch als recht unproblematisch dar. Bei Aufschnitt sah es anfangs schwerer aus, aber bis auf zwei kleine Ausnahmen, gibt es auch hier kein großes Verlangen mehr nach Wurstwaren. Leberwurst und Bacon habe ich, zumindest in meinen Erinnerungen, noch als meine persönliche Speise für die Götter abgespeichert. Ja, ich weiß.. Das Vermissen von Leberwurst ist für meine Mitmenschen meist unerklärlich.. es ist wohl keiner so ein passionierter Esser wie ich gewesen.

Nun, zwei Jahre später, ist es bei mir auch soweit, dass es mittlerweile mehrere Gründe, neben meines persönlichen Wohlbefinden gibt, nein zum Fleisch zu sagen oder zumindest für einen bewussten Genuss an meine Mitmenschen appellieren zu wollen. Nicht mit erhobenen Finger, einfach dann, wenn sich die Situation ergibt, denn es gibt, so finde ich, nicht viel schlimmeres als der Moralapostelfinger. Das geht auch galanter.

Mir war es vorher schon klar, dass billiges Fleisch vom Discounter nicht das Nonplusultra ist, aber was alles nötig ist um dem Verbraucher Fleisch so günstig anbieten zu können, ist moralisch für mich untragbar geworden.

Die Fleischindustrie, teils so undurchschaubar, hat so viele dunkle Ecken aufzuweisen. Hier mal ein kleiner Blick hinter den meist schmierigen Vorhang:

– Mitarbeiter, meist aus Osteuropa, werden durch Subunternehmen eingestellt.

– Ausgehandelte Löhne werden oft genug nicht komplett bezahlt und Arbeitszeiten werden nicht eingehalten.

– Oft liest man von überfüllten Baracken in welchen die Arbeiter „wohnen“ dürfen.

– Es wurde davon berichtet, dass Mitarbeiter ihre Arbeitsmaterialien wie Kittel und Messer von ihrem Lohn abgezogen bekommen.

– Die hygienischen Zustände in den Betrieben werden teils oft als miserabel bezeichnet.

– Hinzukommt der Tierschutz, welcher nicht groß geschrieben wird oder gar nicht auf zu finden ist.

Dies nur die groben Punkte, welche einen schnell in das Auge fallen, wenn man sich ein wenig einliest und das Thema ankratzt. Man schaue sich nur den aktuellen Fall des in Nordhessen beheimateten Herstellers für Wurst-/ und Fleischwaren an.

Anhand eines persönlichen Gesprächs mit einem Insider aus einem kleineren Fleischbetrieb in NRW, kann ich nur wiedergeben, dass diese genannten Punkte oftmals nicht weit hergeholt sind. Auf die Frage, ob manche Betriebe wirklich so schlimm sind, wie ihnen der Ruf vorauseilt, entgegnete man mir nur mit:

Ja, sicher. Was glaubs du denn? Is halt nun ma so. Musst ja auch wettbewerbsfähig sein und auch inne Zukunft bleiben.

Da muss man erstmal schlucken.

Aber ja im nächsten Moment ist einen das „Problem“ schon ein wenig klar und hat fast, aber auch nur fast, Verständnis für die kleinen Unternehmer.

Leider leben ganz viele Menschen den Spirit „höher, weiter und billiger“.
Mehr für weniger ist die Devise. Egal wo der Kappes herkommt und egal unter welchen Umständen ich meine eigene Portion „billig“ bekomme.

Dieses Phänomen macht nicht nur vor der Lebensmittelindustrie halt. Egal ob Anziehsachen (Fast Cloth), Lifestyleprodukte, Hygieneartikel.
Mittlerweile gibt es alles irgendwo auch in billig. Das Bewusstsein für den Konsum scheint verschleiert zu sein. Billig? Will ich!

Ich möchte hiermit nicht sagen, dass man nicht auch mal als Schnäppchenjäger unterwegs sein darf. Hallo? Na sicher, mache ich selber ja auch mal gerne. Habe mir erst 2 neue Pullis und ein Hemd von einem namenhaften Outdoorhersteller gegönnt. Die Kleidung war im Angebot und auch habe ich ein gutes Gefühl Produkte dieser Firma zu kaufen! Es geht aber um die Art und Weise wie oft wir wir kaufen, wegschmeißen und vor allem unnötig ersetzen. Muss jeden Winter eine neue Jacke gekauft werden? Jedes Jahr im Sommer ein paar hübsche Sandalen und eine Handtasche passend zum Kleidchen? Und warum nicht jedes zweite Jahr ein neues Phone gönnen. Gibt der Vertrag doch so her!

Ich würde mir wünschen, dass wir uns mehr damit beschäftigen, was im Hintergrund passiert, damit ich mein Hunger so günstig stillen kann. Lasst uns versuchen öfter regional zu kaufen, weniger Fleisch zu essen (lieber zweimal die Woche bewusst genießen!) und auch wenn es sich komisch anhört, aber fragt im Laden doch einfach mal nach wo das Fleisch herkommt. Wir haben hier im Ruhrgebiet einige kleine Bauernläden die z. B. selbst Wurst und Grillgut herstellen. In dem Fall kann man sogar noch besser nachhaken wo das Fleisch her kommt. Erwartet nicht immer sofort Verständnis und freundliches Auftreten eures Gegenübers. Es ist ungewohnt dass Kunden etwas hinterfragen, aber man kann nur gewinnen, wenn man sich selber für das Thema sensibilisiert und andere damit ansteckt. Lasst uns nicht für dumm verkaufen von der Lebensmittelindustrie.

Wir können gemeinsam etwas tun! Hinzukommt, dass man so nicht nur der Fleischindustrie zeigt „Mit uns nicht!“ sondern auch den Discountern und Supermärkten was sie sich ins Regal bzw. in die Theke holen. Denn angeboten wird, dass was gut und schnell verkauft wird.

Ein junger Familienvater sagte mir einmal: „Ob ich jetzt das günstige Fleisch im Discounter kaufe oder nicht. Wir als Kunde können das nicht beeinflussen. Die machen einfach so weiter die Läden.

Wieder einer dieser Momente, wo ich mich in meinem Wippstuhl zurück lehnte, aus dem Fenster in den blaugrauen Himmel guckte und dies erst einmal sacken lassen musste. Vor allem von einer jungen Person erwarte ich solch eine Einstellung eigentlich nicht..Ddies gibt mir zu Denken und ich frage mich woher diese Meinung kommt. „Bist du dir da sicher? Ich sehe dies nicht so.“ beginne ich nun eine leicht hitzige Diskussion in der sommerlichen Hitze an einem Donnerstagnachmittag.. und so erkläre ich die ganze Leier wieder von vorne.

Also scroll, scroll nach oben: Here we go again!
Ob mich solche Gespräche nicht müde macht? Es ist nicht immer einfach, aber ich liebe unseren Heimatplaneten und für Sachen welche man liebt, setzt man sich schließlich auch ein.

Jeden Tag.




Ruth

Ruth

Hallo und herzlich willkommen ihr Andersmacher, Sonderlinge und Ökolatschenträger! Ich bin Sandra und die Person hinter dem Blog ruthmachtmut.de. Dich interessieren regionale und globale Beiträge sowie Tipps rund um die Themen Umwelt, Nachhaltigkeit oder Klimaschutz? Du hast Lust auf DIYs? Dann wirst du hier sicherlich noch viele interessante Beiträge finden!

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